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In der Presse



Welcher Krieg beginnt in Lulea?
Interview im Neuen Deutschland über das schwedische Bombodrom und ein neues Netzwerk

ND: »Krieg beginnt hier« war das Motto eines internationalen antimilitaristischen Sommercamps in Nordschweden. Der Nicht-NATO-Staat fällt einem nicht gerade als erstes beim Stichwort Krieg ein.
Schädel: Zum einen: Auch Schweden ist an den großen Kriegen in Afghanistan und Libyen beteiligt. Und dann fand das Anti-Kriegscamp in der Nähe des Waffentestgeländes von Lulea statt. Rüstungskonzerne aus der ganzen Welt, auch aus Deutschland, können hier ihre Raketen testen – sieben Tage die Woche, ohne Grenzen, wie es in der Werbung heißt. Die Kriege in der Welt werden mit Waffen geführt, die in den Ländern hergestellt werden, die sich als demokratisch und freiheitlich darstellen. Deshalb ist es richtig zu sagen: Schweden bereitet an diesem Ort NATO-Kriege in anderen Ländern mit vor.

Hierzulande leisteten Anwohner und Kriegsgegner jahrelang Widerstand gegen ein sogenanntes Bombodrom in Brandenburg. Gibt es ähnlichen Protest in Schweden?
Der Norden ist eine dünn besiedelte Gegend, in der durch den Übungsplatz 200 Arbeitsplätze entstanden. Der Protest hielt sich also bisher in Grenzen.

Welche Reaktionen gab es auf das Camp?
Unsere Kritik ist unerwünscht, das haben wir auch an den Leserbriefen in regionalen Zeitungen gemerkt. Aber das Camp hat immerhin überhaupt eine Diskussion angestoßen, vor allem durch die Demonstration und eine Aktion des zivilen Ungehorsams auf dem abgesperrten Militärgelände. Dabei haben etwa 170 Aktivisten die Stelle mit pinker Farbe als Kriegsort markiert. Pink gehört zur Farbpalette des Pentagon für Bedrohungsszenarien. Die Aktivisten haben für ihren gewaltfreien Protest zum Teil mehr als 48 Stunden Haft und Verurteilungen zu 80 Tagessätzen in Kauf genommen.

Kriegsgegner aus mehr als 20 Ländern tauschten sich bei dem Camp aus. Was ist das Ergebnis?
Es hat sich gezeigt, wie vielfältig die Aktivitäten gegen Militär, Militarisierung und Kriegsvorbereitungen sind. Zum Beispiel richten sich die Proteste in Südkorea gegen die Installierung von Truppenübungsplätzen für US-Streitkräfte und in Kolumbien stehen Kampagnen gegen Rekrutierungsversuche unter Jugendlichen im Mittelpunkt.

Kann sich die deutsche Friedensbewegung etwas abgucken?
Die Kampagne der schwedischen Gruppe »Ofog« (Unfug), alle Orte in ihrem Land, die dem Krieg dienen, mit pink zu markieren, ist eine interessante Idee. Panzer pink anmalen – das ist doch eine tolle Sache!

Ein konkretes Ergebnis der letzten Tage war die Gründung eines europäischen antimilitaristischen Netzwerks. Was soll es leisten?
Die Gründung zeigt: Nicht nur Rüstungskonzerne sind global organisiert, sondern wir schaffen das auch. Aktive aus der Bundesrepublik, Großbritannien, Spanien, Belgien und aus Skandinavien sind dabei. Wer wieder fehlt, sind allerdings Gruppen aus Osteuropa. Konkrete Aktionen wurden noch nicht vereinbart, zunächst geht es darum, die Kommunikation zu verbessern. Bei der Afghanistan-Konferenz im Dezember in Bonn wird es aber mit Sicherheit eine internationale Beteiligung geben.

Gab es bislang keine Vernetzung auf europäischer Ebene?
Nein. Natürlich bestehen international Kontakte zwischen antimilitaristischen Gruppen. Und es gibt Aktionsbündnisse zu konkreten Anlässen, wie das Bündnis gegen die NATO. Aber es gab bisher kein allgemeines Netzwerk in Europa für inhaltliche Auseinandersetzungen und gemeinsame Absprachen.

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Monty Schädel, Bundessprecher der DFG-VK, nahm an einem antimilitaristischen Vernetzungstreffen in Schweden teil.

Fragen: Ines Wallrodt

weitere Infos unter: www.warstartshere.com

Quele des Interviews: www.neues-deutschland.de/artikel/203308.welcher-krieg-beginnt-in-lulea.html

Monty Schädel am 30.07.2011